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Biographie einer Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus)
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Inhalt
a.) Das erste Lebensjahr
b.) Bau des Fangnetzes
c.) Beutefang
d.) Nahrungsaufnahme
e.) Häutung
f.) Paarung
g) Eiablage und Kokonbau
h.) Und noch eine Außenschutzhülle um den Kokon
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Lang ist sie geworden, die Lebensgeschichte meiner Gartenkreuzspinnen. Doch in den fast unendlichen Stunden, die ich mit ihnen, vor allem auch nachts verbracht habe, bekam ich viel interessantes und manches für mich noch unbekanntes zu sehen. So habe ich mich entschlossen einen großen Teil der Beobachtungen, vor allem auch mit Bildern, zusammenhängend hier einmal vorzustellen. Man muß sie ja nicht gerade lieben, aber Bewunderung und Achtung haben die Gartenkreuzspinnen allemal verdient
Zu keiner anderen Jahreszeit zeigt sich die Natur in einer solch großen Vielfalt zauberhafter und geheimnisvoller Farben wie im Herbst. Ob im Sonnenlicht kräftig leuchtend oder in ruhigen Pastelltönen, wenn die Tage grau und Nebel über dem Land liegt. Da und dort glitzern dann auch im Morgengrauen, wie filigrane Schmuckstücke, die großen, taubehangenen Radnetze unserer Gartenkreuzspinnen.Wie oft schon, haben mich diese reizvollen Motive verführt, sie im frühen Gegenlicht im Bilde festzuhalten, so dass es jetzt Mal an der Zeit ist, sich auch mit den Erbauerinnen selbst ein wenig mehr vertraut zu machen.
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Die Fähigkeit, solche kunstvollen Fangnetze zu bauen, besitzt nur die Familie der Radnetzspinnen, die weltweit mit etwa 2600 Arten vertreten ist. Davon sind in Deutschland ca. 70 Arten bekannt. Zu ihnen gehört auch unsere Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus). Ihre auffallend charakteristische, weiße Kreuzzeichnung hat auch der ganzen Familie den Beinamen Kreuzspinnen gegeben. Eine Besonderheit der Gartenkreuzspinne gegenüber vielen anderen Kreuzspinnenarten, ist ihr zweijähriger Lebensrhythmus, sie werden also zwei Jahre alt. Auf besonders blumenreichen Wiesen, können sie allerdings, laut Fachliteratur, ein Alter von fünf Jahren erreichen .Die folgenden Ausführungen aber, beziehen sich auf den zweijährigen Lebensrythmus. |
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| a.) Das erste Lebensjahr |
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Im September/Oktober legt das Weibchen der Gartenkreuzspinne seinen Kokon an. Es sucht dazu einen möglichst geschützten Ort, z.B. unter alten losen Baumrinden, in Spalten alten Holzes und ähnlichem. Schon einige Tage nach der Eiablage beginnt im Kokon die Entwicklung der Jungspinnen. Noch vor der kalten Jahreszeit ist ihre Embryonalphase beendet und die Jungspinnen schlüpfen aus ihren Eihüllen. Dabei häuten sie sich auch das erstemal. Dicht gedrängt, im weichen Seidengewebe des Kokons, überstehen sie nun selbst Temperaturen von unter -20°C. Im späten Frühjahr verlassen sie ihren Kokon, bleiben aber einige Zeit noch in seiner unmittelbaren Nähe. Solange sie noch kein Fangnetz bauen können, also auch keine Beute machen, ernähren sie sich vom körpereigenen Dottervorrat. Bald sind sie auch auf ihren ersten, austretenden Lauffäden unterwegs, doch immer noch in Kokonnähe. Im Juni ist ihr Spinnapparat völlig funktionstüchtig. Einige bauen ihr erstes, kleines Fangnetz, in Nähe des Kokon. Die meisten aber versuchen in andere, ferne Gebiete zu kommen. Von erhöhter Warte, lassen sie aus ihren Spinnwarzen einen feinen Faden austreten. Bei entsprechender Länge, erfaßte ihn der Wind und trägt ihn mit der daran hängenden Spinne, in die weitere Umgebung. So erfolgt die Besiedelung neuer Biotope, die sich im Volksmund mit dem Begriff "Altweibersommer" eingebürgert hat und natürlich auch für die jetzt ausschwärmenden jungen Kreuzspinnen gilt. |
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Bild 1 - manchmal legt das Weibchen auch zwei Kokons an. Scheint ihr der Ort nicht sicher genug, verkleidet sie diese mit allen möglichen Materialien als Sichtschutz
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Bild 2 - fast unbeweglich zeigen sich mit Ende des Winters eine Vielzahl kleiner Spinnchen im Kokon, kein Stecknadelkopf groß sind sie |
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| Bild 3 - mehrmals häuten sie sich bereits im Kokon |
Bild 4 - mitte Mai verlassen die fertigen kleinen und jetzt recht quirligen Spinnen ihren Kokon. Sie halten sich aber noch einige Zeit in kleinen Klumpen neben dem Kokon auf. Über fünfhundert sind geschlüpft
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| Bild 5 - auf ihren ersten Lauffaden sind sie, immer noch in Kokonnähe, ständig unterwegs. Bei einer Erschütterung in der Nähe aber, finden sie sich blitzschnell wieder in Klumpen zusammen |
Bild 6 - ihre ersten Fangnetze sind sehr klein, nur wenige Zentimeter im Durchmesser, aber schon eine perfekte Konstruktion. Diese Mininetze haben aber noch nicht die Festigkeit. Selbst kleinere Fliegen können durch die Fangfäden oft noch nicht festgehalten werden |
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| Bild 7 - erst im Spätsommer/Frühherbst können die Radnetze der Jungspinnen (rechts) so groß sein, wie die ihrer jetzt ausgewachsenen Artgenossen (links). Die Größe der Radnetze von adulden Gartenkreuzspinnen, kann zwischen 40 bis 50cm im Durchmesser betragen |
Bild 8 - gegen Jahresende haben die Jungspinnen mit etwa 7mm (rechts) die halbe Größe der ausgewachsenen Tiere. Das große Weibchen ist im vergangenen Jahr geschlüpft. Es wird in den kommenden Tagen seine Eier ablegen, den Kokon bauen und sterben. Die Jungspinne aber wird einen geschützten Ort aufsuchen um dort, im Starrezustand, den Winter zu überleben. Vom hellen braun bis schwarz kann man der Gartenkreuzspinne begegnen |
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| b.) Bau des Fangnetzes |
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| Unsere Jungspinne, es ist ein Weibchen, hat den Winter gut überstanden und ist seid dem Frühjahr wieder aktiv. Jetzt im Spätsommer, sie ist fast ausgewachsen, wollen wir sie einmal beim Bau ihres imposanten großen Radnetzes beobachten. |
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| Bild 9 - vorwiegend in den Morgenstunden der zweiten Nachthälfte, zwischen sechs und acht Uhr, beginnt die Spinne mit dem Bau ihres Fangnetzes |
Bild 10 - durch Beutefang, Witterung und andere Einflüsse, wird das Fangnetz oft sehr stark zerstört und ist damit nicht mehr funktionstüchtig. Sie beginnt mit Abbau der Speichen und des Fangfadens. Die äußeren Rahmenfäden bleiben vorerst erhalten. Ist nicht so viel zu demontieren, frißt sie die alte Seide. Sie wird nicht vollständig verdaut und kann so, beim Netzneubau, wieder verwendet werden
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Bild 11- mit beiden vorderen Beinpaaren und den Kiefertaster, werden die Spinnfäden herangezogen. Frißt sie die Fäden nicht, werden sie zu einen Knäuel aufgewickelt, der mit den Giftklauen festgehalten wird. Später wird dieser weiße Knäuel, als unbrauchbar, an benachbarten Pflanzen irgendwo abgehängt |
Bild 12 - erst wenn sie alle alten Speichen und den Fangfaden abgebaut, entscheidet sie, ob der vorhandene Rahmen erhalten bleibt oder ein völlig neues Netz gebaut werden muß. Meistens wird aber ein neues Netz angelegt. Eine Reparatur defekter Netze erfolgt nicht |
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Draußen in freier Natur, in der viele Nachtfotos entstanden sind, ist es unmöglich die einzelnen Arbeitsschritte der Spinne beim Bau ihres neuen Fangnetzes, in richtiger Reihenfolge exakt festzuhalten. Sie baut in diesem Alter, Ausnahmen bestätigen die Regel, nur noch in der Dunkelheit und ist dabei auch gegenüber Lampenlicht sehr empfindlich. Dazu kommt das es draußen selten ganz windstill ist. Darüberhinaus ist auch die Entstehung eines Fangnetzes in manchen Schritten ein überaus komplizierter Vorgang. Um aber die einzelnen Arbeitsgänge in etwa nachvollziehen zu können, ist der Neubau eines solchen Fangnetzes, in der Anfangsphase, in folgenden einzelnen gezeichneten Schritten dargestellt. Dafür wurden, neben eigenen Beobachtungen, auch die sehr detaillierten Aufzeichnungen von H.Peters herangezogen. |
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| Bild 13 - von erhöhter Warte läßt die Spinne einen Faden austreten. Ein leichter Luftzug genügt um ihn irgendwo in der Nähe hinzuführen, wo er an Blättern oder Zweigen hängen bleibt A. Dieser Faden ist das erste Bauelement des Netzes |
Bild 14 - der Faden wird nun auch bei B angeheftet. Dann bewegt sie sich von B nach Z, zieht dabei einen neuen Faden hinter sich her. Den alten Faden BZ beißt sie durch und wickelt ihn zu einem Knäuel zusammen. Bei Z wird der neue Faden angeheftet |
Bild 15 - von Z aus läßt sie sich am austretenden Faden nach unten fallen. Da die Strecke BZ durch ihren neuen Faden länger geworden ist, hängt der Faden AZB nach unten jetzt auch durch |
Bild 16 - auf den ersten erreichten festen Untergrund (Boden, Zweig, Blätter), wird der senkrechte Faden bei C befestigt. Dann läuft sie an den nun befestigten, senkrechten Faden wieder nach oben, Richtung Z. Die y-förmige Struktur ist das Grundelement und Z der Mittelpunkt des späteren Radnetzes |
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| Bild 17- bei Z heftet sie ihren Lauffaden an und bewegt sich, mit Lauffaden in Richtung B |
Bild 18 - in B heftet sie diesen Lauffaden an der vorhandenen Klebestelle fest und läuft, an den eben gezogenen Faden wieder zurück, Richtung Z. Dabei zieht sie einen neuen Faden hinter sich her. Bei a (grüner Punkt) heftet sie ihre beiden Lauffäden zusammen und läuft weiter |
Bild 19 - von Z aus läuft sie in Richtung A und zieht dabei ihren Lauffaden hinter sich her. Dieser ist ja bei a am anderen Faden befestigt |
Bild 20 - je näher sie nach A kommt, um so größer wird die Spannung, bis schließlich die Klebestelle a über den Faden BZ gezogen wird |
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| Bild 21 - in A heftet sie ihren Lauffaden fest. Auf diesen Faden läuft sie in Richtung a und zieht dabei einen neuen Lauffaden hinter sich her |
Bild 22 - in a wird dieser Faden befestigt. Dann bewegt sie sich nach Z mit einen neuen Faden. Den alten, aZ, hat sie durchgebissen und wickelt ihn auf. Als Knäuel wird auch er irgendwo abgelegt |
Bild 23 - durch ihren neuen Faden, den sie in Z befestigt hat, ist die Strecke aZ nun etwas länger.Damit wandert a etwas nach oben. Von Z aus läuft sie nach C, auch da wieder mit neuen Faden. |
Bild 24 - der neue Faden wird bei C angeheftet, dann läuft sie auf diesen Faden, mit neuen austretenden Faden, wieder nach oben. Bei b heftet sie beide Fäden wieder zusammen (wie in Bild 18). |
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| Bild 25 - von Z geht es, mit Faden, wieder nach A. Wie in Bild 20, wird b dann über den Faden ZC gezogen
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Bild 26 - der Faden wird in A befestigt, dann geht es mit neuen Faden wieder zurück nach b. Fortsetzung dann wie in Bild 22 aZ, bZ sind die ersten beiden Speichen und AB, AC die ersten Rahmenteile |
Bild 27 - im Mittelpunkt des Radnetzes (Nabe, Zentrum), hält sich die Spinne die meiste Zeit auf. In diesem Ort zieht sie viele, unregelmäßig verknüpfte Fäden. |
Bild 28 - durch die im Zentrum dicht verknüpften Fäden, werden auch die Zugkräfte aufgefangen, die durch die Speichen entstehen. Die sind recht straff gespannt und laufen ja alle im Zentrum zusammen |
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| Bild 29 - bei den ersten Netzarbeiten, entstehen zusammen mit dem Rahmen, gleichzeitig einige Speichen (Radialfäden). Siehe Bild 26. Die meisten Speichen werden dann aber später, einzeln in das fertige Rahmensystem eingezogen. Das Radnetz derGartenkreuzspinne besitzt 30 bis 32 Speichen. |
Bild 30 - (Nachtaufnahme) sind alle Speichen eingezogen, beginnt die Spinne, vom Netzzentrum aus, die Hilfsspirale einzuziehen. Sie wird in wenigen Umgängen über die Speichen gezogen und an ihnen befestigt. Von der Hilfsspirale und den Speichen ist nur wenig zusehen. Doch die kräftigen Befestigungspunkte zwischen diesen Fäden, sind fast alle sichtbar. |
Bild 31 - die Hilfsspirale gibt dem Netz eine gewisse Stabilität. Wenn die Spinne später den Fangfaden einzieht, bewegt sie sich, von Speiche zu Speiche, hauptsächlich auf dieser Spirale. Ohne sie, könnte sich die Spinne nur mühsam über die langen, dann durchhängenden Speichen fortbewegen |
Bild 32 - (Nachtaufnahme) mit Fertigstellung der Hilfsspirale und nach kurzer Ruhepause, beginnt sie, jetzt von außen, mit einziehen des eigentlichen Fangfadens. Die Hilfsspirale wird dabei wieder abgebaut, d.h. gefressen |
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Auch beim einziehen des Fangfadens arbeitet die Spinne recht schnell. Wie sie es dabei noch schafft, den Faden auf einer ganz bestimmten Stelle der Speiche abzulegen, zu befestigen und das noch in erstaunlich gleichmäßigen Abständen untereinander, konnte in extremen Zeitlupenfilmen sichtbar gemacht werden. Wie hoch ist doch diese Leistung des Netzbaues zu bewerten, wenn man weiß, das auch hierbei nur tastend gearbeitet wird, die Spinne also optisch keine Details erkennt. Die folgenden Fotos, ergänzt durch gezeichnete Linien, zeigen in etwa den Verlauf der Fadenführung. Unter f.) Eiablage und Kokonbau, wird noch etwas genauer auf die Spinnwarzen eingegangen. |
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| Bild 33 - gesetzte Klebestelle (1), Speiche (2), neuer Fangfaden (3), nächste Klebestelle (4), Hilfsspirale (5), verlegter Fangfaden (6). Während sie den Fangfaden auf den Speichen befestigt, kontrolliert sie tastend, mit den Vorderbeinen ständig den Abstand zu den nächsten Speichen. Dadurch kommt auch der erstaunlich, gleichmäßige Abstand des verlegten Fangfadens zu Stande |
Bild 34 - der Fangfaden besteht aus zwei Einzelfäden ( Axialfäden ). Die austretenden Fäden werden hier, mit den Krallen des linken Hinterbeines zusammen geführt. Auf der Speiche (Punkt), hat sie eben den Fangfaden befestigt |
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| Bild 35 - die nächste Klebestelle ist X auf der folgenden Speiche. Mit den Krallen der linken, beiden Hinterbeine, hält sie das Speichenstück etwas straff, um Klebestelle und Fangfaden besser positionieren zu können. Das rechte Hinterbein führt den auf X zu verlegenden Fangfaden. Gleichzeitig tritt natürlich neues Fadenmaterial aus den Spinnwarzen. |
Bild 36 - die Speiche " klemmt " sie dann, an der Stelle X, zwischen ihre Spinnwarzen und setzt dabei Klebstoff oder Klebefäden ab. Punktgenau führt sie dann, mit den Krallen des rechten Hinterbeines den Fangfaden auf die vorbereitete Klebestelle. Dann bewegt sie sich weiter zur nächsten Speiche nach rechts. |
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| Bild 37 - (Nachtaufnahme), der Fangfaden besteht aus zwei Axialfäden, die von einer Leimschicht umhüllt sind. Diese Klebmasse zieht sich zu kleinen, gleichmäßig angeordneten Tröpfchen, perlschnurartig, auf dem Grundfaden zusammen. Diese sehr wasserhaltige Leimschicht, verleiht dem Fangfaden eine besonders große Elastizität, gegenüber allen anderen im Netz verlegten Fäden. Diagonal, eine Speiche |
Bild 38 - ( Nachtaufnahme ), vierzig Minuten hat sie für den gesamten Netzbau gebraucht, dabei über 20mtr. Spinnfäden produziert, verarbeitet und etwa 1100 feste Verbindungsstellen angelegt. Ein überaus bewunderungswürdiges Meisterwerk, das auch nur tastend entstanden ist |
Bild 39 - (Nachtaufnahme), kopfunter sitzt sie im Mittelpunkt des Netzes und wartet auf Beute. Sie hängt dabei auf der Unterseite des Netzes, das meist mit etwas Neigung angelegt wird. Dadurch kann sie sich bei Gefahr an ihrem Wegfaden einfach schnell zum Boden abseilen |
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| c.) Beutefang |
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Auch die Gartenkreuzspinne ist giftig. Braucht sie doch das Gift, um ihre Beute zu lähmen und töten. Keinesfalls ist sie angriffslustig. Wie die meisten Tiere, ist auch sie friedfertig. Es sei denn, man hält sie z. B. in geschlossener Hand. Dann begegnet sie der Gefahr mit Einsatz der Giftklauen, das aber ist auch verständlich. Nur wenn sie nach der Eiablage am Kokon arbeitet oder neben dem fertigen Kokon sitzt, kann sie sich mit Einsatz ihrer Giftklauen auch angriffsbereit zeigen, wenn sich eine mögliche Gefahr ihrer Nachkommenschaft nähert. Das war einige Male mein Finger, den ich ganz vorsichtig zu ihr hinschob. Sofort wurde er mit Hilfe der Giftklauen heftig attackiert. Welche besorgte Mutter würde nicht auch ihren Nachwuchs bei Gefahr verteidigen. Doch nur einen ganz leichten Druck verspürte ich bei ihren Angriffen. Die Giftklauen sind viel zu schwach um die menschliche Haut zu durchdringen. Auch ist ihr Gift nur bei den kleinen Beutetieren besonders wirksam. |
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| Bild 40 - nun heißt es warten auf Beute. Am Tage sitzt sie dabei meistens gut versteckt, ganz in der Nähe des Fangnetzes |
Bild 41 - über einen Signalfaden, den sie neben sich befestigt hat und mit den Krallen festhält, ist sie aber mit dem Netz verbunden. Hat sich bewegende Beute im Netz gefangen, bekommt sie durch den, nun viebrierenden Faden, die Erfolgsmeldung. Sie kann aber recht gut unterscheiden, ob die Bewegungen von Beutetieren oder andere uninteressante Ursachen hat. Im zweiten Fall reagiert sie nicht auf das Fadensignal |
Bild 42 - bei einer positiven Meldung braucht sie keine Sekunde, um vom Versteck in die Netzmitte (Nabe) zu kommen. Hier verharrt sie kurz und zieht mit den Vorderbeinen ruckartig an einzelnen Speichen. So stellt sie fest, welche besonders gespannt, also durch die Beute belastet ist. Damit ermittelt sie erst die genaue Lage der Beute, denn die Spinne kann ja nicht so gut sehen |
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| Bild 43 - die Beute ist lokalisiert. Auf den Speichen eilt sie gezielt zu ihr hin. Die Fortbewegung erfolgt unter normalen Bedingungen stets auf den straff gespannten Speichen. Sie bleibt auf Distance von der großen Beute, denn sie könnte wehrhaft sein (z.B. Wespe) |
Bild 44 - sie kontrolliert den Fang mit den Kiefertaster, dann versetzt die Spinne mit ihren Beinen, die Fliege in eine schnell rotierende Bewegung |
Bild 45 - dabei umwickelt sie die Beute durch eine regelrechte Batterie von Spinnfäden, den speziellen Beutefesselfäden. Da die Spinne beim einwickeln Abstand hält, ist sie auch außer Reichweite einer, für sie gefährlichen Beute. Kleine Fänge werden jedoch sofort durch einen Giftbiß getötet oder gelähmt |
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| Bild 46 - erst wenn eine große, wehrhafte Beute gut gefesselt ist, kann sie gefahrlos ihren etwas länger anhaltenden Giftbiß ansetzen |
Bild 47 - ist die Beute entsprechend "versorgt", wird sie in die Nabe des Netzes oder in das Versteck transportiert. Dazu hat die Spinne einen Transportfaden angeheftet, den sie mit den Krallen eines Hinterbeine festhält |
Bild 48 - wir haben nun bereits gesehen, das die Krallen (Tarsalklauen) für vielerlei Arbeiten häufig zum Einsatz kommen. Alle acht Beine besitzen jeweils diese drei Klauen. Für die Netzspinnen, also auch die Gartenkreuzspinne, ist vorallem die Mittelklaue (schwarz) sehr wichtig. Mit ihr kann sie den Spinnfaden ergreifen, drückt ihn gegen die gezähnten Borstenhaare und fixiert ihn so fest. Zum loslassen zieht sie die Mittelklaue zurück und der auf Spannung fixierte Faden, löst sich wieder aus den Borstenhaaren |
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| d.) Nahrungsaufnahme |
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| Spinnen besitzen eine besondere Art der Nahrungsaufnahme. Schon außerhalb ihres Körpers verdauen sie weitgehend ihre Nahrung. Sie erbrechen etwas Verdauungssaft aus ihrem Darmtrakt, der sich über einen Teil der Beute ergießt. Nach wenigen Sekunden hat dieser Saft die erreichten Gewebeteile aufgelöst. Der dünnflüssige Brei wird nun aufgesaugt und der Vorgang beginnt von neuem. |
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| Bild 49 - größere Beute bedeutet auch längerer Freßakt. Deshalb zieht sie dafür, ihren Schlupfwinkel vor. Ist sie satt, oder gibt es in kurzer Zeit mehrere Beutefänge, werden diese eingewickelt und irgendwo im Netz aufgehängt - Vorratshaltung nach Spinnenart |
Bild 50 - ein Überblick über die wichtigsten Organe zur Nahrungsaufnahme |
Bild 51 - Krallen und Giftklauen halten die Beute während der Nahrungsaufnahme fest. Die Beutefesselfäden werden wieder gefressen. Dann wirkt sie aus dem Mund, zwischen Kieferklaue und der etwas gewölbten Unterlippe, einen Tropfen Verdauungssaft aus |
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| Bild 52 - nach wenigen Sekunden hat der Saft die erreichten Gewebeteilchen aufgelöst und die Spinne saugt den dünnflüssigen Brei auf. So wiederholt sich viele Male dieser Vorgang. Nach einiger Zeit ist die gesamte Beute mit einer dünnen Schicht Verdauungssaft überzogen. Dabei wird sie immer wieder mit Beinen und Kiefertaster in eine andere Lage gedreht |
Bild 53 - um die Beute auch durch und durch mit den Verdauungssaft zu vermengen, wird sie mit den Kiefer - und Giftklauen regelrecht durchgeknetet. Hinter den Kieferklauen sitzen die Kauladen. Sie dienen zum kauen der Nahrung und sind teilweise mit einem dichten Haarsaum besetzt. Er wirkt als Filter für die angesaugte, flüssige Nahrung. Hinter der linken Kieferklaue, ist eine der beiden Kauladen (gelb) sichtbar |
Bild 54 - nur ein unförmiger Rest nicht verdaubarer Hartteile bleibt von der Fliege schließlich noch übrig. Den läßt die Spinne dann irgendwann einfach fallen. |
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| Bild 55 - nicht immer klappt das mit dem fallen lassen aber so einfach. Manchmal bleibt dabei doch noch einiges vom Rest der Beute an den Giftklauen hängen. Hier ist es der obere Abschnitt eines Fliegenbeines |
Bild 56 - mit den Krallen des rechten Vorderbeines hat sie das Hindernis schließlich von den Giftklauen gezogen |
Bild 57 - nun kann sie erst die Reinigung ihrer Mundwerkzeuge durchführen. Dazu zieht sie eines ihrer Beine durch beide Giftklauen und Kauladen. Dabei werden die feinen Giftaustrittsöffnungen an den Enden der Giftklauen und der Filterhaarsaum an den Kauladen von Nahrungsteilchen gesäubert |
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| Bild 58 - und nochmals im Detail. Durch die eng anliegenden Kiefer - und Giftklauen, sowie die dahinterliegenden Kauladen, wird eines der Vorderbeine durchgezogen und entfernt, wie eine Bürste, die noch daranhängenden, restlichen Nahrungsteilchen. Die langen Beine und die daran sitzenden "Haare oder Stacheln", sind für viele Menschen immer wieder Anlaß, bei Ansicht einer Spinne, Ekel und Abscheu zu empfinden. Doch nur mit langen Beinen ist die Gartenkreuzspinne u. a. in der Lage, ihr so kunstvolles Radnetz zu bauen. Und sie sind auch Träger der lebensnotwendigen, hochempfindlichen Sinnesorgane in Form eben dieser angeblichen Haare. Mit ihnen kann sie fühlen, schmecken und hören. Die Organe zum riechen sitzen auf dem letzten Beinabschnitt. a - Kiefertaster, b - Krallen (ohne Mittelklaue), c - Augen, d - rechtes Vorderbein, e - Kieferklaue, f - Giftklaue, g - Riechorgane, h - Krallen (wie in Bild 48 ), i - Kaulade, k - Sinnesorgane (fühlen, schmecken, hören) |
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| e.) Häutung |
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| Wie alle Gliederfüßer besitzen auch die Spinnen ein festes Außenskelett und sind sehr dünnhäutig. Nur ihr Hinterteil kann sich stark ausdehnen. Jede auffallende Körperzunahme ist deshalb stets mit einer Häutung verbunden. Mit schlüpfen aus dem Ei, wird bereits die erste Körperhülle abgestreift. Auch während des Aufenthalts im Kokon häuten sich die Jungspinnen und wenn sie ihn verlassen haben, streifen sie noch mehrmals, in Abstand von einigen Wochen, ihre alte Haut ab, bis zur Letzten der Reifehäutung. Erst nach dieser Häutung sind sie geschlechtsreif. |
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| Bild 59 - es ist Sommer. Die letzte Häutung, die sogenannte Reifehäutung steht bevor. Schon Tage vorher baut das Weibchen kein Netz mehr und nimmt auch keine Nahrung mehr auf. Es hat sich ein schützenden Platz gesucht, in dem es, zusammengezogen in völliger Ruhe verharrt |
Bild 60 - in einer der folgenden Nächte fand ich das Weibchen, kopfunter mit lang ausgestreckten Beinen an einem Faden hängend, dem Häutungsfaden (1). Diese Lage gilt bei den Radnetzspinnen als das sicherste Zeichen der kurz bevorstehenden Häutung. Und da zeigte sich auch wenig später, ein kleiner Riß in der alten Haut des Vorderkörper (3). Auf seinen beiden Seiten, direkt über den Ansätzen der vier Beine, beginnt die Haut bis zum hinteren Körperteil aufzureißen. Die alte Haut des Vorderkörper löste sich langsam und klappt wie ein Deckel nach oben (2) |
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| Bild 61 - der Hinterkörper wird dann einfach aus seiner alten Hülle herausgezogen, man sieht schon ein Stück davon (6). 1 -Kiefertaster, 2 - Kieferklaue, 3 -Augen, 4 - alte Hülle des Hinterkörper, 5 - alte Hülle des Vorderkörper, 6 - Hinterkörper |
Bild 62 - mit der letzten Phase der Häutung, dem herausziehen der Beine und Kiefertaster, beginnt der schwierigste Teil, da recht enge Durchgänge das Passieren erschweren. Nach zwanzig Minuten hatte sich das Weibchen vollständig aus seiner alten Hülle befreit und begann mit einer regelrechten Gymnastik ihrer acht Beine. Wenige Tage später baute sie bereits wieder ihr erstes Radnetz. Die alte, abgestreifte Körperhülle aber, baumelte noch an dem Faden, an dem sich das Weibchen aufgehängt hatte, deshalb nennt man diesen auch den Häutungsfaden(1) |
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| f.) Paarung |
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Nach der Reifehäutung sind nun Weibchen wie Männchen erst geschlechtsreif. Das Weibchen fängt wenig später wieder mit Netzbau und Nahrungsaufnahme an, während das Männchen für beides keine Zeit mehr hat. Denn mit der nun bevorstehenden Paarungszeit, jetzt im August, fängt für ihn ein aufregender Lebensabschnitt an. Er beginnt oft mit tage-und nächtelangen suchen nach geschlechtsreifen Weibchen. Bevor er sich aber auf den Weg macht, muß er seinen Samen in einen dafür ganz ungewöhnlichen Körperteil, die Kiefertaster, umlagern. Dem Männchen fehlen nämlich die ursprünglichen, äußeren Organe zur Begattung. Ein kleines, nur wenige Quadratmillimeter waagerechtes Netz wird gefertigt, auf dessen Oberseite er seine Samentropfen absetzt. Von der Netzunterseite nimmt er dann, mit den beiden Kiefertaster (Palpen) diese Tropfen wieder auf. |
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| Bild 63 - noch sitzt das Männchen in seinem Fangnetz und nimmt Nahrung auf. Doch nach erfolgreicher Reifehäutung, wird es seine Kiefertaster (Palpen) (1), an einen kleinen Hilfsnetz, mit seinen Samen füllen. Diese birnenartigen Gebilde am Ende seiner Taster, werden damit, vorübergehend zu Samenbehältern. Sie sind auch ein schnelles, sichtbares Unterscheidungsmerkmal gegenüber gleichgroßen Weibchen |
Bild 64 - die Palpen sind nun mit Samen gefüllt und so macht sich das Männchen auf die Suche nach einen reifen Weibchen. Weit streift es durchs Gelände, manchmal viele Tage und Nächte. Zwar scheiden geschlechtsreife Weibchen einen Wirkstoff aus, durch den die Männchen angelockt werden. Aber sie müssen schon in der Nähe des Netzes vom Weibchen sein, um diesen Duftstoff auch wahrnehmen zu können |
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| Bild 65 - das Männchen hat ein geschlechtsreifes Weibchen entdeckt. Bevor er aber ihr Netz betritt, meldet er durch rythmisches Zupfen an den Speichenfäden seinen Besuch an. Ein Hinweis für das Weibchen, das sie ihn nicht etwa mit Beute verwechselt |
Bild 66 - doch auch dann muß das Männchen bei seinen Annäherungsversuchen sehr behutsam sein. Vorsichtig versucht es durch tasten mit den Beinen, die Stimmung des Weibchens zu erkunden und vielleicht auch zu beeinflußen. Ein zeitraubendes Werben, bis das Weibchen endlich, auf gleiche Art seine Bereitschaft zur Paarung äußert |
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| Bild 67- das Tasten des Weibchens wird intensiver. Gefahrlos kann sich jetzt das Männchen seiner Partnerin nähern |
Bild 68 - dann geht alles sehr schnell. Kopfunter lässt sich das Weibchen hängen und das Männchen schiebt sich auf ihre Bauchseite. Nur wenige Sekunden bleiben ihm, um seinen Samen aus den Kiefertaster in ihre Geschlechtsöffnung (1) zu übertragen. Dort wird er in speziellen Samentaschen bis zur Eiablage gespeichert. Dann aber ist für das Männchen sofort fluchtartiger Rückzug angesagt. Denn die Paarungsbereitschaft kann danach beim Weibchen, sehr schnell wieder in Beutetrieb umschlagen. Das Männchen wird nach der Paarung bald eines natürlichen Todes sterben
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| g.) Eiablage und Kokonbau |
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| Ende September. Das Weibchen sitzt bereits mehrere Tage in seinem Schlupfwinkel nahe am Fangnetz. Es geht nicht mehr ins Netz und nimmt auch keine Nahrung mehr auf. Ein sicheres Merkmal auf die bald bevorstehende, wichtigste Lebensaufgabe - die Arterhaltung. |
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| Bild 69 - nach acht Tagen Ruhe, verläßt sie das Versteck, um in der näheren Umgebung einen geeigneten, geschützten Platz für ihren Kokon zu suchen |
Bild 70 - der Holzspalt unter einem größeren, losen Rindenstück, scheint dafür ein geeigneter Ort zu sein. Kopfüber zieht sie eine Lage straff gespannter Fäden, etwa drei Quadratzentimeter groß und betupft sie mit einzelnen , lockeren Fäden. Es entsteht eine Gespinstscheibe, die sogenannte Basalplatt. |
Bild 71 - auf dem Rand dieser Platte, beginnt sie mit Spinnfäden, rundum einen kleinen, gleichmäßigen Wall hochzuziehen. Dabei dreht sie sich langsam im Kreise |
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| Bild 72 - damit der Wall auch einheitlich rund und die entstehende Mulde annähernd ihrer Körpergröße angepaßt ist, hält sie auf dem bereits verlegten Fadenrand mit den Kiefertaster Kontakt, während sie auf der gegenüberliegenden Seite neue Spinnfäden absetzt. Auch das erfolgt nur tastend, denn trotz ihrer acht Augen, spielt der Gesichtssinn eine nur untergeordnete Rolle |
Bild 73 - so entsteht in gut zwei Stunden, ein gleichmäßig runder, etwa sechs Millimeter hoher Ringwall. Das Ganze sieht jetzt aus, wie ein am Kopf hängendes Vogelnest. Dann ruht sie einige Zeit liegend in ihrem "Nest", bevor sie mit der Eiablage beginnt |
Bild 74 - die Eier treten in mehreren Schüben aus. Erst unmittelbar davor, erfolgt die Befruchtung durch den gespeicherten, männlichen Samen. Eine zähe Flüssigkeit umgibt die etwa 500 Eier, die bald eintrocknet und sie dadurch zusammen hält. Der Punkt bei X, zeigt in etwa, wo in Bauchmitte die Eier austreten |
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| Bild 75 - den Eiballen überzieht sie nun mit einem dichten, aber lockeren Fadenwerk. Die abgesetzen Fäden hält sie mit beiden Hinterbeinen fest, während sie gleichzeitig das Hinterteil anhebt und aus den Spinnwarzen neues Fadenmaterial austritt |
Bild 76 - dann senkt sie das Hintereil wieder. Die neu ausgetretenen Fäden werden so zusammengedrückt und legen sich schlaufenartig (siehe x), auf die schon verlegten Fäden. Dadurch bekommen die Eier eine luftig lockere Ummantelung |
Bild 77 - die Spinnseide wird in Drüsen erzeugt, die alle im Hinterleib sitzen. Sie münden in die außenliegenden Spinnwarzen, die sehr beweglich sind. Der eigentliche Fadenaustritt erfolgt dann über die stirnseitig angeordneten vielen Spulen auf den Warzen. Je nach Bedarf arbeitet die Spinne mit unterschiedlichen Fadenmaterial, das auch über verschiedene Warzen abgegeben wird |
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| Bild 78 - hier nochmals die Lage der drei Warzenpaare: a - vorderes Spinnwarzenpaar b - mittleres Spinnwarzenpaar c - hinteres Spinnwarzenpaar |
Bild 79 - zwischendurch wird durch aufsetzen der Kiefertaster geprüft, ob der Eiballen auch überall dicht abgedeckt ist. Abschließend erhält der gesamte Kokon noch eine Hülle aus etwas festeren Fadenschlingen und zusätzliche Befestigungsfäden zu der umgebenden Rinde. Sie sichern gegen Lockerung und herunterfallen |
Bild 80 - nach Fertigstellung des Kokon noch ein letzter aber längerer Kontrollgang. Damit schien ihre allerletzte große Aufgabe beendet und sie setzte sich, mit angezogenen Beinen neben dem Kokon zur Ruhe. Einige Tage würde sie in dieser Lage wohl ausharren und dann sterben. Doch es stand für sie noch eine weitere Aufgabe bevor |
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| h.) Und noch eine Außenschutzhülle um den Kokon |
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| [Inhalt] |
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Der Kokon ist nun fertig. Aber für die Spinne ist der dafür gewählte Ort, gegenüber kleinen Freßfeinden, doch wohl nicht sicher genug. Also verkleidet sie ihn rundherum mit einer größeren Zahl kleiner Holzspäne. Ich habe diesem Thema, für manchen Leser vielleicht unverständlich, ebenfalls eine größere Zahl Fotos gewidmet, die davon einzelne Arbeitsschritte zeigen. Doch wie die Spinne sich dabei über lange Zeit abmühen mußte, regelrecht quälte, das hat mich so beeindruckt, das auch hiervon etwas ausführlicher berichtet werden sollte. Das sie eine Meisterin beim Bau ihres Radnetzes ist, ist allgemein bekannt. Das sie aber auch ausdauernd und schwer arbeiten kann, beweißt nun dieser letzte Abschnitt ihrer Biographie. |
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| Bild 81 - als ich in der folgenden Nacht wieder nach ihr schaute, war sie bereits mit Transport eines Holzstückes beschäftigt. Vom Boden, etwa 70cm unter ihr, hat sie es bereits hochgezogen. Sie hat ihren Faden, an dem sie sich auch abgeseilt hat, am Holz befestigt und zieht es mit den Krallen eines Hinterbeines hinter sich her |
Bild 82 - oben angekommen, hängt sie das Stück ersteinmal neben dem Kokon ab. Denn sie muß sich jetzt rumdrehen, um es mit den Vorderbeinen an den Kokon heranziehen zu können |
Bild 83 - das ist nun die richtige Position. Bevor sie die Arbeit jedoch fortsetzt, ruht sie einige Zeit aus. Die Holzstücke sind manchmal fünfmal so schwer, wie sie selbst |
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| Bild 84 - dann beginnt sie mit beiden Vorderbeinpaaren (Krallen), das Holzstück heranzuziehen |
Bild 85 - es ist oben, stößt aber unten am Kokon an. Sie muß es deshalb herumdrehen. Da das Stück auch noch schwer ist, packt sie mit drei Beinpaaren und den Kiefertaster zu. Mit dem letzten Beinpaar muß sie sich festhalten |
Bild 86 - das herumdrehen größerer Holzstücke erfordert große akrobatische Fähigkeiten, die natürlich die Spinne auch besitzt. Für manche einzelne Stücke hat sie dafür nicht selten, eine ganze halbe Stunde gebraucht. Und am Ende ist das Holz dann doch wieder hinuntergefallen |
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| Bild 87 - manchmal konnte sie das rutschende Holz gerade noch festhalten, was dann natürlich wiederum gedreht werden mußte |
Bild 88 - es war also oft eine langwierige Sache bis sie das Holzstück mit Vorderbeinen und Kiefertaster richtig gefaßt und es in die bestimmte Lücke, die sie vorher ertastet hatte, einsetzen konnte. Dann war wieder eine längere Ruhephase angesagt. |
Bild 89 - schon beim Kokonbau hat sie diesen mit stabilen Befestigungsfäden gegen herunterfallen gesichert. Die Fäden wurden mit kräftigen Klebestellen an der Rinde befestigt. Auch die Hölzer, die nicht nur am Kokon hängen können, werden gesichert. Sie prüft nun tastend, wo die einzelnen Fäden für die Hölzer angeheftet werden können |
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| Bild 90 - eine Stelle ist gefunden. Sie setzt über die Spinnwarzen, den sichtbaren großen Klebefleck ab, auf dem sie dann den Haltefaden vom jeweiligen Holz befestigt |
Bild 91 - dann legt sie wieder eine längere Ruhephase neben dem Kokon ein |
Bild 92 - vom Kokon ist nun fast nichts mehr zu sehen. Erstaunlich, alles nur durch tasten. Die kleine Lücke oben wird sie auch noch schließen. Drei ganze Nächte hat sie für diese siebzehn Holzstücke gebraucht, die den Kokon nun unsichtbar machen.Und nicht selten hat sie für ein Stück davon, ganze zwei Stunden benötigt |
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| Bild 93 - sie ist mit der Verkleidung nun fertig, der Kokon völlig unsichtbar. Aber in ihm beginnt jetzt bereits die Entwicklung der Jungspinnen. Drei Tage und Nächte bleibt die Spinne, in völliger Ruhe, noch neben ihrem Werk sitzen |
Bild 94 - in Größe und Aussehen ähnelt sie jetzt vielmehr den kleineren Spinnenmännchen. Kein Wunder, hatten doch die über fünfhundert Eier einen großen Teil ihres Hinterkörpers ausgefüllt. Dann kamen mit Kokonbau und Außenverkleidung große Energieleistungen und das alles bei schon wochenlanger Verweigerung der Nahrung |
Bild 95 - in der vierten Nacht verließ sie ihren Ruheplatz am Kokon und lief längere Zeit, scheinbar ziellos, am Holzstamm und den daranhängenden losen Rinden, hin und her. Dann hielt sie an einen größeren Holzspalt inne und schob sich, dabei immer tastend, rückwärtsgehend, in diesen hinein. Bewegungslos saß sie, wie im Bild festgehalten, ganze zwei Tage. In der folgenden Nacht war ihr Leben zu Ende. - |
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[Wissenswertes] |
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Letzte Änderung am 19.03.2006 |
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