|
|
|
 |
|
|
|
[Startseite] |
|
[Erlebnisse] |
|
[Bildergeschichten, nicht nur für Kinder] |
|
[Actaeon´s Gedichte] |
|
[Wissenswertes] |
|
[Links] |
|
[Kontakt] |
|
|
 |
|
|
|
|
|
|
|
|
Die zornigen Wespen |
|
|
|
Nach fünfstündiger Wanderung durch den Westerwald, hatten wir endlich unser erstes Ziel, das kleine Waldgasthaus im Mühlengrund erreicht. Es war ein heißer Spätsommertag und auch jetzt noch, in den Nachmittagsstunden, lag drückende Schwüle über dem Land. Welch ein idyllisches Plätzchen, nun im kühlen Schatten der alten Linde zu sitzen, die müden Beine zu strecken und aus alten Humpen den noch mal so gut schmeckenden goldgelben Gerstensaft zu genießen. Auch Quinze, mein ständiger Kamerad war ganz in seinem Element. Zwar war der kleine Bach, der nur wenige Meter neben unserem Tisch, leise murmelnd seinen Weg durch die Wiese nahm, nicht viel mehr als ein größeres Rinnsal. Doch schien der Hund damit zufrieden. Langgestreckt auf dem Bauch im Wasser liegend, genoß er ausgiebig das klare, kühle Naß. So konnte für uns beide die Welt nicht schöner sein, wenn nur nicht die vielen kleinen, gelben Brummer gewesen wären. Neugierig empfingen sie mich Neuankömmling mit aufdringlichen Kontrollflügen, auf Suche nach süß riechenden Genußmitteln. Doch ließen sie bald davon ab, war doch mein Getränk weniger nach ihrem Geschmack. Anders am benachbarten Tisch mit den vier Wandersleuten. Er war reich mit Limonaden und Zwetschenkuchen bestückt, eine wahre Fundgrube für die kleinen, sechsbeinigen Gäste. Mit zusammengerollten Zeitungen um sich schlagend, versuchte man die schon recht aufdringlichen Wespen abzuwehren. Einige blieben dabei auf der Strecke und doch wurde ihre Zahl nicht kleiner. In eine der noch offenen Limonadenflaschen, war eine der Wespen hineingefallen. Verzweifelt versuchte sie wieder festen Boden unter die Beine zu bekommen, ein aussichtsloser Versuch. Mit einer gewissen Schadenfreude beobachteten die vier Tischgenossen eine Zeitlang das Geschehen und man begann zu wetten, wie lange die Wespe das wohl durchhalten würde. Das nun aber mißviel mir. Auch wenn die Wespen gelegentlich zu einer lästigen Plage werden können und bei Unachtsamkeit nicht ganz ungefährlich sind, sollte man sich nicht auf diese Art an ihnen rächen, sondern wenn, dann sofort töten. Dies sagte ich auch den vier Nachbarn, als ich an ihren Tisch trat. "Ihr geschieht schon ganz recht, diesen aggresiven Biestern", meinte daraufhin einer der Tischgenossen und ein anderer sprach von so allerhand Ungeziefer, das sich in der Natur herumtreibt. "Sicher trinken sie jetzt die Limo nicht mehr", fragte ich mit Bestimmtheit in die Runde. Was für eine blöde Frage, meinte der Geschädigte. "So können wir die Flasche ja ausschütten", war meine Antwort. Ich leerte, einige Schritte in die Wiese gehend, ihren Inhalt mit der sich noch bewegenden Wespe. "Das ist ja wohl eine Frechheit", "sicher einer der verrückten Umweltschützer" und noch andere Bemerkungen empfingen mich, als ich die Flasche wieder auf den Tisch stellte. Man war gereizt über mein Verhalten. Doch wollte ich es dabei nicht belassen. Die allgemeine, aber unrichtigen Behauptung, das Wespen aggresiv und gefährlich sein, versuchte ich nun mit wissenschaftlichen Argumenten zu entkräften. Natürlich ohne jeglichen Erfolg. Dafür mich aber ständig mit unqualifizierten und witzigen Bemerkungen unterbrechend. Erst nachdem ich eigene, kleine Begegnungen mit Wespen ins Gespräch brachte, ließen ihre teils recht dummen Sprüche nach. Sie hörten jetzt aufmerksamer zu und begann auch, mehr über das eine und andere wissen zu wollen. Also doch mit der Natur verbundene Wanderer, nur leider auf kleinen, unbedachten Abwegen, waren so meine beiläufigen Gedanken. Es entwickelte sich zunehmend eine Art Diskussion um das Leben der anfangs so geschmähten Wespen. Als man mich einige Zeit später sogar aufforderte am Tisch Platz zu nehmen und in die nächste Bierrunde mit einschloß, war der Bann gebrochen. So nahm der anfangs unangenehme Vorgang, doch noch einen recht guten, gesellschaftlichen und lehrhaften Verlauf. Zum Abschluß der nun recht gemütlichen Tischrunde, erzählte ich noch von meinem letzten Erlebniss mit den Wespen, das eindrucksvoll ihre angeblich so bösartige Angriffslust, ganz klar wiederlegt und auch mit einigen Fotos dokumentiert werden konnte: |
|
|
|
|
|
|
|
"Es war noch früher Morgen, als ich vom nächtlichen Ansitz kam. Im Wald schon überall kleines und großes Leben. An den Vogelnistkästen, die in größeren Abständen neben dem Pirschpfad mannshoch an Ästen aufgehängt waren, herrschte aber weitgehend Ruhe, war doch die Hauptbrutzeit schon vorbei. Einer der Nistkästen schien jedoch anderweitig belegt, denn es herrschte dort ständiger Verkehr von an - und abfliegenden Wespen. Keine Seltenheit diese Fehlbelegung, was mich nur neugierig machte, war das teils im Einflugloch herausgezogene Nestmaterial. Überwiegend Moos, also ein altes Kohl - oder Blaumeisennest. Sicher nur Reste, die hier ein kleiner Räuber letzte Nacht, in Hoffnung auf Beute, kontrolliert hatte. |
|
|
|
|
|
|
|
Aus der Nähe beobachtet, sah ich, das fast das ganze Einflugloch mit Moos verschlossen war. Nur ein kleiner Durchschlupf führte in das Innere der Höhle. Während einzelne anfliegende Bewohner im Nistkasten verschwanden, waren andere dabei, das Hindernis abzubauen. Mit ihren kräftigen Mandibeln (Oberkiefer) lösten sie einzelne Mooshalme und trugen sie, eingeklemmt zwischen dem Obkiefer, fliegend irgendwo ins Freie. Meine Anwesenheit gleich neben dem Nistkasten, störte sie dabei überhaupt nicht. |
|
|
|
|
|
|
|
Die mit Beute ankommenden Wespen, drückten sich an den moosarbeitenden Artgenossinnen vorbei und tauchten im Höhlendunkel unter. Ein sicheres Zeichen, das darin ein Wespennest mit heranwachsenden Larven, die nun mit kleinen Fliegen gefüttert wurden. Meine Neugier war erstmal gestillt. Doch wollte ich die Höhle weiter im Auge behalten. Schon am nächsten Tag, war das gesamte Moos weggeräumt. Wichtig für einen nun wieder freien Durchflug, aber noch wichtiger für eine ausreichende Belüftung des Nestes im inneren der Höhle. |
|
|
|
|
|
|
|
Einige Wochen später. Ich hatte vor meine "Höhlenwespen" etwas länger zu beobachten und von bestimmten Tätigkeiten auch Fotos zu machen. Ein kurzer Blick in das Flugeingangsloch. Dort sah ich, im hinteren, dunklen Innenbereich der Höhle, bewegungslos, nur den Kopf einer Wespe - die Torwache. Einige Sekunden schauten wir uns an, doch sie ließ sich nicht aus ihrer wachsamen Ruhe herauslocken.Vermied ich ja auch die nur kleinste Berührung der sonst leicht pendelten Höhle. Kamera, Blitz und Stativ, alles wurde vorsichtig und behutsam in entsprechende Position gebracht. Natürlich mußte ich auch auf einzelne an - und abfliegende Wespen Rücksicht nehmen, die sich aber, durch meine bedächtigen Bewegungen, überhaupt nicht gestört fühlten. Doch gerade, wenn man auf jeden Handgriff achtet um ja nichts verkehrt zu machen, passiert es. Ich stieß mit dem Objektiv nur ein klein wenig an die Nisthöhle. Sie begann leicht zu schwanken und fast im gleichen Moment, als ob sie darauf gewartet hätten, quoll es förmlich gelb und brummend aus dem Flugloch. Blitzartig meine Flucht über dreißig Meter, aber zwei der Insassen hatten ebenfalls die Kondition mir zu folgen und mich recht schmerzhaft zu bestrafen. Eine halbe Stunde beobachtete ich nun aus scheinbar sicherer Entfernung die völlig aufgeregten, durcheinander fliegenden und jetzt äußerst aggresiven Wespen. In großer Zahl saßen sie auf der Kamera und flogen auch ständig um sie und die Nisthöhle herum. Nur ganz langsam schienen sie sich wieder zu beruhigen. Einige verschwanden in ihre Jagdgebiete, andere wieder in der Höhle. Ein paar aber, waren immer noch um die Kamera herum unterwegs. Doch wollte ich nicht länger warten. Also, langsam Schritt für Schritt wieder hin zum gefährdeten Ort. |
|
|
|
|
|
|
|
So ganz geheuer war mir nicht, als ich das Flugloch jetzt fast rundherum mit Torwachen besetzt sah. Jeden Moment mußte mit einem Angriff gerechnet werden, auch wenn ich überaus vorsichtig bei meinen weiteren "Installationsarbeiten" mit der Kamera zuwege ging. Deshalb immer wieder mein ängstlicher Blick hinüber zu der drohenden Kulisse, den noch war ihr aggresives Verhalten durchaus berechtigt. Doch nichts passierte, keiner der Wachen verließ seinen Platz, um den in unmittelbarer Nähe hantierenden Störenfried wieder in die Flucht zu jagen. Einzelne Wespen begleiteten weiterhin mein Tun mit drohenden Kontrollflügen um die Kamera herum.Doch dabei blieb es auch. Noch mußte sie etwas näher an die Nisthöhle herangerückt werden, um die Köpfe der Torwachen möglichst groß ins Bild zu bekommen. Denn ihre schwarz/gelbe Gesichtszeichnung zeigt, zu welcher Art diese Wespe gehört. Meine Bewegungen jetzt nur im extremen Zeitlupentempo.Wenn es doch mal gefährlich schien, erstarrte ich auch zu einem Baumstamm. Ihr Zorn war eben noch sehr groß, die Störung an der Nisthöhle nicht vergessen.Doch schmerzhafte Angriffe auf mich blieben aus. |
|
|
|
|
|
|
|
Endlich war es geschafft. Drohend schien ihr Blick, mit den großen Facettenaugen, zu mir herüber. Erkennbar jetzt, an der Art der schwarzen Kopfflecken, die Deutsche Wespe (Vespula germanica). Sie ist es auch, die heute unsere Tischrunde hier, so unruhig gestaltet. Nur wenige Zentimeter war mein Objektiv und ich selbst, keinen halben Meter von ihnen entfernt. Aber alle blieben bewegungslos an ihrem Platz, von Angriffslust nichts mehr zu spüren, nur gespannte Wachsamkeit. |
|
|
|
|
|
|
|
So verging eine weitere halbe Stunde, in der ich still das Geschehen am Flugloch verfolgen konnte. Einzelne Kontrollflüge noch in meiner unmittelbaren Nähe und gelegentlich ließ sich auch mal für kurze Zeit eine auf meiner Hand nieder, mit der ich die Kamera führte. Aber es passierte nichts dramatisches mehr. Langsam begann sich die Torwachenbesatzung zu lichten und etliche Arbeiterinnen waren bereits wieder dabei, unbrauchbares Material aus dem Nest nach außen zu transportieren. |
|
|
|
|
|
|
|
Am Flugloch zeigte sich eine junge, geschlüpfte Königin (links). Sie wurde kurz danach von einer Arbeiterin gefüttert, die vom Jagdflug zurück kam. Eine andere brachte ihre Beute, eine kleine Fliege in die Höhle, um damit eine der heranwachsenden Larven zu füttern. Beim fliegen wird die Beute unter dem Vorderkörper gehalten und hängt festgeklemmt zwischen dem Oberkiefer. Der friedlich, arbeitsreiche Wespenalltag nahm nun langsam wieder seinen Fortgang in gewohnter Weise und keine der Wespen, schien mehr Notiz von meiner unmittelbaren Nähe zu nehmen. Verflogen aller Wespenzorn auf den ärgerlichen Störenfried. |
|
|
|
|
|
|
|
Bald war nur noch eine Torwache für die Kontrolle des Einflugloches zuständig. Sie behielt mich sicher beim zusammenpacken meiner Siebensachen prüfend im Auge. Aber sie hatte auch die Aufgabe, einfliegende Artgenossen auf ihre Nestzugehörigkeit zu kontrollieren. Fremden Wespen wird der Eintritt verwehrt. Nach sechs Stunden beendete ich für diesen Tag meinen Nisthöhlenansitz und machte mich, um einige Erfahrungen reicher, auf den Heimweg. |
|
|
Am Ende meiner kleinen Geschichte waren noch viele Fragen der vier Wandersleute zu beantworten. Das Wichtigste aber war auch ihnen jetzt verständlich, das Wespen nur angriffslustig, wenn sie ihr Nest oder sich selbst in Gefahr glauben. Ohne Grund werden sie sehr selten ihren schmerzhaften Stachel einsetzen. Beim Abschied versicherten mir die vier, das Verhalten dieser Wespenart in Zukunft auch mal genauer zu beobachten und bei ihrem auftauchen, nicht gleich in ablehnende Hektik zu verfallen. Das dabei die besonders aufdringlichen und lästigen Wespen aber nach wie vor ihr Leben lassen müssen, fand auch meine Zustimmung, aber dann nur auf schnelle Art und Weise. Aus einer kleinen Erfrischungspause war so, für uns beide,ein längerer Aufenthalt am Waldgasthaus geworden. Gestärkt und mit einem zufriedenen Gefühl, vier Zeitgenossen von der Ungefährlichkeit dieser Wespen überzeugt zu haben, setzte ich mit meinen vierbeinigen Begleiter die Wanderung fort.- |
|
|
|
 |
|
|
|
[Erlebnisse] |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|